Bei der Weltmeisterschaft geht es nicht nur um Fußball und den Ball im Netz. Eines der größten Sportereignisse der Welt wird auch von Problemen abseits des Spielfelds beeinflusst. So erfolgt die Auswahl der Schiedsrichter beispielsweise nicht nur nach sportlichen Kriterien. Bei bestimmten historisch bedeutsamen Spielen berücksichtigt die FIFA auch geopolitische Spannungen.
Im Fall von England und Argentinien hat seit mehr als 40 Jahren kein englischer Schiedsrichter ein Spiel der Albiceleste geleitet, und argentinische Schiedsrichter sind von englischen Mannschaftsspielen ausgeschlossen. In diesem speziellen Kontext berücksichtigt die FIFA auch einen weltbekannten diplomatischen Streit: das Erbe des Falklandkriegs.
Im Jahr 1982 kämpften Argentinien und das Vereinigte Königreich um die Souveränität dieses südatlantischen Archipels, wobei die Briten nach 74 Tagen als Sieger hervorgingen. Die menschlichen Verluste beliefen sich auf 649 Soldaten auf südamerikanischer Seite und 255 auf britischer Seite.
Vier Jahre später tauchte die Erinnerung wieder auf, dieses Mal im Sport. Im Viertelfinale der Weltmeisterschaft 1986 besiegte Diego Maradona England mit einer großartigen Einzelleistung und erzielte zwei Tore, darunter ein Handtor, das von Nummer 10 selbst als „Die Hand Gottes“ getauft wurde. Albiceleste gewann in diesem Jahr schließlich den Titel, den zweiten in seiner Geschichte.
Am Ende der Konfrontation sprach der argentinische Kapitän sogar von „Rache“. „Obwohl wir vor dem Spiel gesagt haben, dass Fußball nichts mit dem Falklandkrieg zu tun hat, wussten wir, dass sie dort viele junge Argentinier getötet hatten, als wären sie Vögel.“
Sportlich gelang Argentinien in diesem Spiel 1986 die Revanche gegen England. Derzeit ist der Streit jedoch auf diplomatischem Gebiet noch nicht beigelegt. Buenos Aires beansprucht weiterhin die Falklandinseln, die als nationales Symbol gelten.
Der Archipel erscheint weiterhin auf offiziellen argentinischen Karten, erscheint auf einigen Banknoten und wird weiterhin regelmäßig im politischen Diskurs hervorgehoben. Auf britischer Seite stellt es einen strategischen Stützpunkt für die militärische Präsenz im Südatlantik dar.
Daher ist es immer noch unwahrscheinlich, dass ein argentinischer Schiedsrichter wie Facundo Tello ein England-Spiel leitet, ebenso wie die Engländer Michael Oliver und Anthony Taylor, die ebenfalls bei dieser Weltmeisterschaft anwesend sind, Albiceleste-Spiele leiten.
Taylor wurde sogar als Schiedsrichter für das WM-Finale 2022 in Katar vorgeschlagen, wurde jedoch übergangen, als Lionel Messis Argentinien die Entscheidung gegen Frankreich traf.
Die Wege der beiden Teams könnten sich in der diesjährigen Ausgabe erneut kreuzen, wenn sie ihre Begegnungen im Viertelfinale gewinnen und ins Halbfinale einziehen. An diesem Samstag (11) trifft England um 18 Uhr auf Norwegen, während Argentinien später um 22 Uhr auf die Schweiz trifft.














