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Jahrzehntelang wurden Kriege durch offizielle Reden, Berichte und d. Heutzutage entstehen und verbreiten sich die meisten dieser Erzählungen jedoch zunächst in den sozialen Medien und zunehmend in einer Sprache, die von Kino, Videospielen und digitaler Popkultur inspiriert ist.
Die zeitgenössische Politik beginnt, für Unterhaltung typische Erzählcodes zu übernehmen: epische Soundtracks, schnelle Schnitte, filmische Ästhetik und von Spielen inspirierte visuelle Elemente. Anführer werden als Protagonisten großer symbolischer Schlachten dargestellt, während Gegner als Antagonisten einer umstrittenen Geschichte dargestellt werden. Das Ergebnis ist eine emotionalere, dramatischere und hochvirale Kommunikation.
Dieser Trend zeigt sich bereits deutlich in internationalen Konflikten. Bei der jüngsten Eskalation der Spannungen zwischen den USA, Israel und dem Iran beschränkt sich der Streit nicht nur auf den militärischen Bereich. Es kommt auch im Bereich digitaler Erzählungen vor. In sozialen Medien gepostete Videos verwenden eine Ästhetik, die Filmtrailern oder Actionspielen ähnelt, um Angriffe zu dramatisieren, militärische Macht zu demonstrieren und öffentliche Unterstützung zu mobilisieren.
Teilweise bedient sich die digitale Werbung sogar direkter Bezüge zur Gamer-Kultur, mit dynamischer Montage, spielerischer Bildsprache und Elementen, die typisch für die Ästhetik von Kriegsvideospielen sind. Die Strategie ist klar: Sprechen Sie mit einer Generation, die mit dem Konsum dieser Art von Inhalten aufgewachsen ist und heute vernetzt in digitalen Umgebungen lebt.
Auch die Gegenseite des Konflikts investiert in den symbolischen Streit. Audiovisuelle Produktionen mit Animationsästhetik, Angriffssimulationen und dramatisierte Darstellungen des Gegners kursieren als moderne Propaganda in den Netzwerken. Dieser Inhalt soll nicht nur informieren, sondern auch emotionale Erzählungen schaffen, die die öffentliche Meinung mobilisieren und politische Identitäten stärken können.
Diese Logik – die Unterhaltung, Propaganda und ideologischen Streit vermischt – ist auch in der Wahlpolitik zunehmend präsent. In Brasilien gibt es bereits in der Vorkampagnenphase für 2026 Anzeichen für dieses Phänomen. In den sozialen Medien kursieren häufig wie Kinotrailer geschnittene politische Videos, Montagen, die Gegner als Charaktere aus epischen Geschichten darstellen, und von Spielen inspirierte Memes.
Die Politik beginnt damit, mit dem Imaginären der digitalen Kultur in Dialog zu treten. Es geht nicht nur darum, Vorschläge zu kommunizieren oder Positionen zu verteidigen. Es geht darum, Erzählungen zu entwickeln, die in einem Umfeld, das von kurzen Videos, starken Bildern und permanenten symbolischen Auseinandersetzungen dominiert wird, Aufmerksamkeit fesseln können.
In diesem Zusammenhang nimmt der sogenannte „Krieg der Erzählungen“ eine nie dagewesene Dimension an. Jeder Beitrag, jedes Video und jedes Meme wird zu einem Teil eines großartigen Spiels der öffentlichen Wahrnehmung. Der politische Kampf findet sowohl an den Wahlurnen als auch auf den Handybildschirmen statt.
Für Kampagnenkommunikationsteams erfordert dieser Wandel eine tiefgreifende strategische Änderung. Traditionelle Werbung, die nur auf institutionellen Beiträgen oder formellen Reden basiert, verliert tendenziell an Bedeutung gegenüber Inhalten, die mit der Sprache der zeitgenössischen digitalen Kultur in Dialog treten.
Die Beherrschung des audiovisuellen Geschichtenerzählens, das Verstehen der Logik von Algorithmen und das Wissen, wie man kulturelle Bezüge aus dem Gaming- und Kinouniversum nutzt, werden zu grundlegenden Fähigkeiten für diejenigen, die in den Netzwerken um Aufmerksamkeit konkurrieren.
Die Wahlen 2026 könnten die ersten in Brasilien sein, bei denen diese narrative Ästhetik als zentrales Element der politischen Kommunikation gefestigt wird. Es wird nicht nur ein Streit um Vorschläge, sondern auch ein Streit um Geschichten, Symbole und Bilder sein.
In einem Umfeld, in dem Politik zunehmend wie ein Film – oder sogar ein Videospiel – erzählt wird, hängt der Wahlsieg zunehmend davon ab, wer seine eigene Geschichte am besten erzählen kann.
*Zé Américo Silva ist Journalistin und Beraterin für politisches Marketing














