Manchmal begegnen wir jemandem und schon nach dem ersten Treffen haben wir das Gefühl: „Das ist ES, diese unglaubliche Chemie, dieser Funke, den ich schon lange nicht mehr gespürt habe.“ Das Herz schlägt schneller, im Bauch flattern Schmetterlinge, im Kopf ist nur noch dieser Mensch. Aber manchmal ist das gar keine Magie, sondern eine alte Wunde, die wieder aufgebrochen ist. Es lohnt sich, zwischen Verliebtheit und Warnsignalen unterscheiden zu können – dadurch können wir uns viele Enttäuschungen und die damit verbundenen emotionalen Achterbahnfahrten ersparen.
Warum fühlen wir uns so sehr zum bekannten Chaos hingezogen?
Wenn wir eine neue Beziehung eingehen, fangen wir nicht bei Null an. Wir bringen Erfahrungen aus unserem Elternhaus, früheren Beziehungen und wichtigen Lebensereignissen mit. Wenn Nähe für uns einst gleichzeitig Wärme und Angst bedeutete, hat unser Nervensystem möglicherweise gelernt, dass dies „normal” ist. Und dann suchen wir unbewusst nach dem gleichen Muster und verwechseln es mit echter Intimität.
In einer Studie zum Phänomen der „traumatischen Bindung” unter 75 Frauen, die kürzlich eine von Gewalt geprägte Beziehung beendet hatten, wurde festgestellt, dass die Bindung an den ehemaligen Partner umso stärker war, je mehr sich Phasen der Kränkung und „gute Momente” abwechselten. Nach sechs Monaten hatte diese Bindung im Durchschnitt um etwa 27 % abgenommen, wobei die Merkmale der Beziehung etwa 55 % der Unterschiede im Grad dieser Bindung erklärten. Dies zeigt, wie sehr die Dynamik selbst, und nicht unbedingt die Person selbst, faszinierend sein kann.
1. Anstelle von Ruhe – ständige Anspannung im Körper
Eine neue Bekanntschaft sollte zumindest ein wenig Beruhigung bringen. Wenn Sie jedoch von Anfang an das Gefühl haben, „auf Nadeln zu sitzen“ – jedes Wort analysieren, darüber nachdenken, ob Sie mit Ihrer Nachricht übertrieben haben, überprüfen, ob Sie es nicht „übertreiben“ –, ist das ein wichtiges Signal. Eine Mischung aus Euphorie und Anspannung imitiert leicht die Chemie in einer Beziehung, aber der Körper weiß genau, ob er wirklich sicher ist.
Halten Sie von Zeit zu Zeit inne und fragen Sie sich: „Wie fühle ich mich in der Nähe dieser Person? Atme ich ruhiger oder spanne ich meine Schultern an, presse ich meine Kiefer zusammen, schlägt mein Herz schneller?“ Wenn die Antwort häufiger „Ich bin bereit, mich zu verteidigen“ lautet als „Alles ist ruhig“, dann ist das eher keine Magie, sondern Unruhe.
2. Emotionale Schwankungen scheinen verlockend
An einem Tag gibt es zärtliche Nachrichten bis spät in die Nacht, am nächsten Tag Kälte, Distanz und Stille. Und dann wieder eine Rückkehr, Entschuldigungen, aufregende Annäherung. Solche emotionalen Schwankungen werden manchmal mit großer Leidenschaft verwechselt, weil die Intensität der Gefühle enorm ist. Leider liebt unser Gehirn starke Reize und reagiert manchmal auf Stress genauso wie auf Vergnügen.
Untersuchungen des Belohnungssystems zeigen, dass starker Stress die Dopaminproduktion in den Bereichen des Gehirns erhöhen kann, die für die „Belohnung” zuständig sind. Deshalb „jagen” manche Menschen unbewusst Konflikte, Drama und Unvorhersehbarkeit, weil dies einen kurzfristigen Emotionsschub auslöst. *Und im Ernst, das ist überhaupt nicht romantisch – es ist ganz normale Erschöpfung, für die uns der Körper früher oder später die Rechnung präsentieren wird.*
Ruhe oder Achterbahnfahrt – ein kurzer Vergleich
Der Körper entspannt sich mit der Zeit, es fällt leichter, sich auszuruhen Ständige Wachsamkeit: Warten auf Nachrichten, Angst vor Konflikten
Aus meiner Sicht gilt: Je mehr eine Beziehung einer Fahrt ohne Bremsen ähnelt, desto aufmerksamer beobachte ich sie. Ein kurzer emotionaler Rausch ist die innere Ruhe, die wir dafür opfern, nicht wert.
3. Sie kehren immer wieder zu derselben Person zurück
Manchmal sagen wir: „Da wir immer wieder zueinander zurückkehren, muss es Schicksal sein.“ Aber manchmal ist es gar nicht das Schicksal, sondern eine nicht verheilte Wunde. Unbewusst versuchen wir, das zu korrigieren, was wir zuvor nicht korrigieren konnten – uns selbst zu beweisen, dass wir es dieses Mal „richtig machen“ werden. Indem wir das bekannte Szenario wiederholen, erhalten wir ein illusorisches Gefühl der Kontrolle: Wir kennen den Schmerz, deshalb erscheint er uns vertraut.
In Studien zu traumatischer Bindung zeigt sich genau das: Je mehr Macht und Vorteile eine Seite hatte, je mehr sich Kränkungen und „Belohnungen“ vermischten, desto stärker band sich die andere Seite – trotz des Leidens. Dies zeigt, dass die Tatsache, dass man „immer wieder zueinander zurückkehrt“, kein Beweis für die Einzigartigkeit einer Beziehung ist, sondern oft nur die Macht der Gewohnheit.
Das Paradox der Nähe: Was uns am meisten verletzt hat, kann uns gleichzeitig am meisten verführen, weil es uns seltsam vertraut ist.
4. Eifersucht scheint ein Beweis für Liebe zu sein
Manche empfinden Erregung, wenn ihr Partner eifersüchtig ist: „Oh, er kümmert sich wirklich um mich!“ Manchmal wird Eifersucht absichtlich hervorgerufen – indem man etwas länger auf andere reagiert oder zweideutige Kommentare veröffentlicht. Untersuchungen zeigen jedoch, dass Eifersucht in Beziehungen häufiger zunimmt, wenn jemand einen ängstlichen Bindungsstil und ein geringes Selbstwertgefühl hat, und nicht, wenn die Liebe stärker ist.
Eine aktuelle Studie mit einer Gruppe von 477 Personen ergab, dass die Eifersucht umso stärker ist, je höher die Bindungsangst ist, was zum Teil daran liegt, dass es schwieriger ist, sein „Ich“ in einer Beziehung zu bewahren.
Andere Analysen (mit etwa 847 Personen) zeigten, dass Persönlichkeitsmerkmale wie hohe Neurotizismus und geringe Nachgiebigkeit mit stärkerer Eifersucht verbunden sind, wobei der Bindungsstil diesen Effekt noch verstärkt. Einfach ausgedrückt: Unsicherheit und Angst gießen Öl ins Feuer.
5. Ruhige Beziehungen wirken … langweilig
Wenn wir jahrelang im Chaos leben, kann Stille verdächtig klingen. Stabile, herzliche Beziehungen können „fad” erscheinen, weil es in ihnen kein großes Drama, keine Tränen um Mitternacht und keine grandiosen Rückkehren im Morgengrauen gibt. Dann kann man leicht das Fehlen von ständigem Stress mit einem Mangel an Leidenschaft verwechseln und unbewusst Streit provozieren, nur damit „etwas passiert”.
Studien zu Vertrauen, ängstlichem Bindungsstil und Eifersucht zeigen, dass Menschen mit einem hohen Maß an Ängstlichkeit bei geringem Vertrauen viel häufiger ihren Partner überprüfen, misstrauen, kontrollieren und zu psychischer Gewalt greifen. Daher kann Gelassenheit ein Problem sein, insbesondere für diejenigen, die nicht glauben, dass sie für einen anderen Menschen wichtig sein können, ohne ständig zu kontrollieren und zu überwachen.
- Achten Sie darauf, ob Ihnen die Beziehung mehr Gelassenheit oder ständige Unruhe bringt.
- Achten Sie nicht nur auf Worte, sondern vor allem auf sich wiederholende Verhaltensmuster.
- Denken Sie daran, dass gesunde Nähe eher eine beständige Wärme ist als ein Feuerwerk alle zwei Tage.
Wenn ich auf meine eigenen Erfahrungen zurückblicke, vertraue ich immer mehr auf ein einziges Kriterium: Fühle ich mich in der Gegenwart dieser Person wohl, ohne mich verstellen zu müssen, ohne Intrigen, ohne ständig das Telefon zu überprüfen? Wenn die Beziehung ruhig ist und ich dennoch Neugier und Wärme empfinde, ist das ein viel besseres Zeichen als der filmreife „Funke”.
Am Ende sollte man sich eines merken: Wahre Nähe sollte nicht schmerzhaft sein und erfordert keine ständigen Prüfungen. Wenn in einer Beziehung häufiger Spannungen, süchtig machende emotionale Schwankungen, toxische Muster und übermäßige Eifersucht auftreten, dann ist das keine große Liebe, sondern ein Signal, dass hier etwas nicht stimmt. Ruhe, Sicherheit und Respekt mögen weniger spektakulär klingen, aber genau darauf kann man eine Beziehung aufbauen, die nicht beim ersten starken Windstoß auseinanderbricht.
















