Im Winter fallen sie auf den Marktständen durch ihre leuchtende Farbe ins Auge und versprechen eine gesunde Dosis Vitamine. Viele Verbraucher fragen sich jedoch: Ist diese kleine Zitrusfrucht, die wir schälen wollen, eine Clementine oder eine Mandarine? Diese beiden Bezeichnungen werden oft synonym verwendet, bezeichnen aber in Wirklichkeit zwei völlig unterschiedliche Früchte. Obwohl die Clementine zur Familie der Mandarinen gehört, ist sie nicht gleichbedeutend mit dieser. Hinter dieser weit verbreiteten Verwirrung verbirgt sich die Geschichte, die Besonderheiten und die geschmacklichen Eigenschaften jeder einzelnen Frucht, die es zu kennen lohnt, um endlich zu verstehen, was wir in unseren Einkaufskorb legen.

Herkunft und Geschichte der Zitrusfrüchte
Mandarine: eine alte Zitrusfrucht
Die Geschichte der Mandarine führt uns nach Südostasien, genauer gesagt nach China, wo sie seit Jahrtausenden angebaut wird. Ihr Name leitet sich von der leuchtend orangefarbenen Seidenkleidung ab, die die Mandarine, hochrangige Beamte des chinesischen Kaiserreichs, trugen. Die Mandarine ist keine Hybridfrucht, sondern neben der Zitrone und der Grapefruit eine der wenigen ursprünglichen Zitrusarten. Aus diesen Vorfahren wurden durch natürliche oder künstliche Kreuzung die meisten Zitrusfrüchte gezüchtet, die wir heute kennen. Ihre Verbreitung in Europa begann relativ spät, da sie erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts eingeführt wurde.
Clementine: eine mediterrane Kreation
Die Clementine hingegen hat eine viel jüngere und besser dokumentierte Geschichte. Sie entstand Ende des 19. Jahrhunderts, um 1892, im Garten eines Waisenhauses in Misserghin, Algerien. Sie ist das Ergebnis einer als zufällig geltenden Kreuzung zwischen einem Mandarinenbaum und einem Bitterorangenbaum (Bigardaria). Ihr „Erfinder” ist Pater Clément Rodier, ein begeisterter Botaniker, der diese neue Zitrusfrucht entdeckte und beschloss, sie anzubauen. Zu Ehren seiner Entdeckung wurde die Frucht „Clementine” genannt. Ihre Hauptbesonderheit, das Fehlen von Kernen, sicherte ihr schnell einen überwältigenden kommerziellen Erfolg auf der ganzen Welt.
Da wir nun ihre unterschiedliche Herkunft kennen, die eine alt, die andere das Ergebnis eines glücklichen Zufalls, ist es leichter zu verstehen, warum sich ihre physikalischen Eigenschaften unterscheiden.
Besondere Merkmale von Clementinen
Aussehen und Beschaffenheit der Schale
Auf den ersten Blick fallen kleine Unterschiede auf. Clementinen haben in der Regel eine dunklere orange, fast rötliche Farbe, und ihre Schale ist glatt, dünn und glänzend. Die Schale liegt eng am Fruchtfleisch an, was das Schälen manchmal erschweren kann. Die Mandarine hingegen hat eine hellere Farbe, die eher gelb-orange ist. Ihre Schale ist dicker, oft leicht körnig und, was besonders wichtig ist, lässt sich sehr leicht von den Segmenten trennen, sodass zwischen Schale und Fruchtfleisch ein Zwischenraum entsteht.
Größe, Form und Vorhandensein von Kernen
Auch Größe und Form sind Indikatoren. Clementinen sind meist klein und perfekt rund.
Die Mandarine ist etwas größer und hat eine charakteristische Form, die auf beiden Seiten abgeflacht ist. Der bekannteste und von den Verbrauchern am meisten geschätzte Unterschied besteht in den Kernen: Die Clementine ist dafür bekannt, dass sie keine Kerne enthält, was sie zu einer idealen Frucht für Kinder macht. Die Mandarine enthält fast immer Kerne, deren Anzahl je nach Sorte variiert.
Vergleichstabelle der physikalischen Eigenschaften
Farbe Dunkelorange mit einem Hauch von Rot Hellorange mit einem Hauch von Gelb
Schale Dünn, glatt und fest Dick, elastisch und leicht zu entfernen
Form Klein und kugelförmig Etwas größer und abgeflacht
Kerne Keine (oder sehr selten) Vorhanden
Diese physikalischen Eigenschaften beeinflussen nicht nur, wie wir sie verzehren, sondern spiegeln auch tiefere Unterschiede wider, insbesondere in Bezug auf Geschmack und Nährwert.
Unterschiede in Geschmack und Nährwert
Das einzigartige Geschmacksprofil jeder Frucht
Der Geschmack ist zweifellos das subjektivste Kriterium, dennoch lassen sich allgemeine Tendenzen feststellen. Die Clementine wird für ihre perfekte Balance zwischen Süße und Säure geschätzt. Ihr Geschmack ist mild, saftig und wenig sauer, was sie sehr beliebt und erfrischend macht. Die Mandarine hingegen bietet ein komplexeres und intensiveres Geschmackserlebnis. Sie ist oft aromatischer und duftender als die Clementine. Ihr Geschmack kann je nach Reifegrad und Sorte von sehr süß bis deutlich säuerlich variieren, aber sie hat immer ein charakteristisches Aroma, das nach dem Schälen an den Händen zurückbleibt.
Nährwert und Nutzen
Aus ernährungsphysiologischer Sicht sind beide Früchte sehr ähnlich und gesund. Beide sind reich an Vitamin C, einem starken Antioxidans, das insbesondere im Winter zur Stärkung des Immunsystems beiträgt. Sie enthalten außerdem Ballaststoffe, die für die Verdauung förderlich sind, sowie Flavonoide, die den Körper schützen. Die Unterschiede sind minimal, aber dennoch erwähnenswert.
Nährwert (pro 100 g) Clementine Mandarine
Kalorien ca. 47 kcal ca. 53 kcal
Vitamin C ca. 49 mg (mehr als 50 % der empfohlenen Tagesdosis) ca. 27 mg (ca. 30 % der empfohlenen Tagesdosis)
Zucker Etwa 9 g Etwa 11 g
Ballaststoffe 1,7 g 1,8 g
Somit zeichnet sich die Clementine durch einen höheren Vitamin-C-Gehalt bei etwas weniger Kalorien aus. Es ist nützlich, sie anhand ihres Geschmacks und Nährwerts unterscheiden zu können, aber man muss sie auch zur richtigen Zeit in den Regalen finden.















