Forscher räumt Fehler bei Studie zu Polylaminin zur Behandlung von Rückenmarksverletzungen ein

Forscher räumt Fehler bei Studie zu Polylaminin zur Behandlung von Rückenmarksverletzungen ein

Die Forscherin Tatiana Sampaio, verantwortlich für eine Studie zu Polylaminin, einer Substanz, die als mögliche Behandlung von Rückenmarksverletzungen untersucht wird, räumte Fehler in der Forschung ein und kündigte an, dass sie eine vollständige Überprüfung der Arbeit durchführen werde. Die Aussage erfolgte in einem Interview mit dem G1-Portal, das an diesem Samstag veröffentlicht wurde (7).

Die Studie wurde ursprünglich am 21. Februar 2024 als Vorabdruck – eine vorläufige Version, die noch nicht von anderen Wissenschaftlern überprüft wurde – im medRxiv-Repository veröffentlicht. Die Forschung vereint Ergebnisse aus rund zwei Jahrzehnten Studien, die an der Bundesuniversität Rio de Janeiro (UFRJ) durchgeführt wurden.

Nach Angaben des Wissenschaftlers wies der veröffentlichte Text Schreibprobleme und Inkonsistenzen in den Daten auf.

„Ich habe diesen Vorabdruck damals so veröffentlicht. Ich dachte: ‚Das wird keinen Aufsehen erregen, ich lasse es dabei, nur um festzuhalten, dass wir das irgendwann aus Gründen der Autorenschaft gemacht haben‘. Aber es war nicht gut geschrieben“, sagte er zu G1.

Was ist Polylaminin?

Polylaminin ist eine Substanz, die aus Laminin entwickelt wird, einem natürlichen Molekül im Körper, das zur Unterstützung der Zellen beiträgt. Der Forschungsvorschlag besteht darin, dass das Protein bei Anwendung auf verletzte Bereiche des Rückenmarks die Wiederherstellung von Nervenverbindungen stimulieren kann.

In der Studie festgestellte Fehler

Im Interview erkannte Tatiana Sampaio relevante Mängel im veröffentlichten Vorabdruck. Zu den Hauptproblemen, die hervorgehoben werden, gehören:

  • Fehler in der Grafik eines verstorbenen Patienten: Eine Grafik zeigte die klinische Besserung eines Patienten 400 Tage nach dem Eingriff an, obwohl im Text angegeben war, dass er fünf Tage nach der Operation gestorben war. Der Forscher gab an, dass es sich um einen Tippfehler handele und die Daten einem anderen Teilnehmer gehörten;
  • Verwirrende Untersuchungsbilder: Experten kritisierten Elektromyographie-Untersuchungen, die zur Beurteilung von Muskeln und Nerven eingesetzt werden, weil sie keine eindeutige Verbesserung zeigten. Der Forscher sagte, die Bilder zeigten Rohdaten und würden ersetzt;
  • Probleme beim wissenschaftlichen Schreiben: Teile des Artikels werden neu geschrieben, um die Methodik und Ergebnisse besser zu erläutern.

Kritik aus der Wissenschaftsgemeinde

Obwohl Experten die Wirksamkeit der Substanz verteidigten, wiesen sie auf methodische Probleme in der Studie hin. Zu den Hauptkritikpunkten zählen:

  • Fehlende Kontrollgruppe: In der klinischen Forschung werden normalerweise Patienten, die eine Behandlung erhalten, mit anderen verglichen, die keine Behandlung erhalten, was in diesem Fall nicht der Fall war;
  • Kombinierte Behandlungen: Die Patienten mussten sich einer Operation und rund 200 Stunden intensiver Physiotherapie unterziehen, wodurch es schwierig ist zu erkennen, ob die Verbesserung auf Polylaminin oder andere Verfahren zurückzuführen ist;
  • Mögliche Gesundheitsrisiken: Die Studie legt nahe, dass Todesfälle durch Lungenentzündung und Sepsis bei Teilnehmern möglicherweise mit einer möglichen Wirkung der Immunsuppression zusammenhängen, die die Abwehrkräfte des Körpers schwächen würde.

Judikalisierung und Investition

Die Forschung gewann auch an Bedeutung, nachdem das Pharmaunternehmen Cristália eine Investition von rund 100 Millionen R$ erhalten hatte.

Nachdem die Ergebnisse veröffentlicht worden waren, gingen mehrere Familien vor Gericht, um eine Behandlung zu gewährleisten. Derzeit gibt es rund 40 Klagen, und 19 Patienten haben die Substanz bereits per Gerichtsbeschluss erhalten, obwohl das Verfahren nicht Teil einer amtlich kontrollierten klinischen Studie ist.

Nächste Schritte

Tatiana Sampaio gibt an, dass sie derzeit an einer neuen Version des Artikels arbeitet, mit dem Ziel, ihn erneut bei wissenschaftlichen Fachzeitschriften einzureichen. Die Studie wurde bereits von zwei Publikationen abgelehnt, darunter dem Magazin Nature.

Im Januar 2026 genehmigte die National Health Surveillance Agency (Anvisa) den Beginn der ersten Phase klinischer Studien am Menschen, der ersten Phase der Sicherheitsbewertung. Diese Tests haben jedoch noch nicht in der Praxis begonnen.

Mit Informationen von Olhar Digital

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